Rückblick: 7. Symposium des Pflegerechts

Bis in das Jahr 2006 führ­te das in Köln ansäs­si­ge Fort­bil­dungs­in­sti­tut PWG-Semi­na­re die Ver­an­stal­tungs­rei­he „Sym­po­si­um des Pfle­ge­rechts“ (auch: Pfle­ge­recht­sym­po­si­um) durch. Dies in Koope­ra­ti­on mit dem Deut­schen Pfle­ge­ver­band (DPV).

Wenn­gleich der Titel etwas ande­res zu impli­zie­ren scheint – die jewei­li­gen Ver­an­stal­tun­gen dreh­ten sich nicht allein nur um Pfle­ge­recht: Viel­mehr wur­den aktu­el­le Pfle­ge­the­men her­an­ge­zo­gen und einer inter­dis­zi­pli­nä­ren Betrach­tung zuge­führt. Damit stell­ten die­se Sym­po­si­en einen kon­zep­tio­nel­len Vor­läu­fer für den spä­te­ren JuraHe­alth Con­gress dar.

DNQP-Expertin Daniela Hayder bei ihrem Vortrag.
DNQP-Exper­tin Danie­la Hay­der bei ihrem Vortrag.

Hintergrund und Programm vom Symposium des Pflegerechts

Anlass für das 7. Sym­po­si­um des Pfle­ge­rechts, dass am 12. Dezem­ber 2006 in der Jugend­her­ber­ge Köln-Deutz durch­ge­führt wor­den ist, war die Kon­sen­tie­rung des Exper­ten­stan­dards „För­de­rung der Harn­kon­ti­nenz in der Pfle­ge“ des Deut­schen Netz­werks für Qua­li­täts­ent­wick­lung in der Pfle­ge (DNQP), die erst weni­ge Mona­te zurück lag.

Das Pro­gramm sah fol­gen­de Bei­trä­ge vor:

  • Mana­ge­ri­el­le Inter­ven­ti­on zur Umset­zung der Exper­ten­stan­dards in der Pfle­ge (Sascha Saßen) 
  • Exper­ten­stan­dard För­de­rung der Harn­in­kon­ti­nenz in der Pfle­ge: Eine Hand­lungs­ma­xi­me? (Danie­la Hayder)
  • Aspek­te der Inkon­ti­nenz (Prof. Dr. Ingo Füsgen) 
  • Inkon­ti­nenz und Sturz: Ein haf­tungs­recht­li­cher Zusam­men­hang (Mar­co Di Bella)
  • Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung unter sozi­al­recht­li­chen Aspek­ten (Dr. Elke Mohr)
  • Aus­wir­kung der Gesund­heits­re­form auf die Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung (Dr. Chris­ti­ne von Reibnitz)

Zwi­schen ein­zel­nen Vor­trä­gen bezie­hungs­wei­se Vor­trags­blö­cken gab es Pau­sen, die das Publi­kum für ein Gespräch mit den Refe­rie­ren­den oder zu einem Besuch der beglei­ten­den Fach­aus­stel­lung, die im Foy­er der Jugend­her­ber­ge auf­ge­baut wor­den war, nut­zen konnten.

Marco Di Bella im Gespräch am DPV-Stand auf dem 7. Symposium des Pflegerechts
Ich im Gespräch am DPV-Stand auf dem 7. Sym­po­si­um des Pflegerechts.

Mein Vortrag

Der Titel mei­nes Vor­tra­ges lau­te­te „Inkon­ti­nenz und Sturz: Ein haf­tungs­recht­li­cher Zusam­men­hang“. Bei­des – Titel und Vor­trags­auf­trag – hat­te ich zuvor „geerbt“: Die urspüng­lich hier­für vor­ge­se­he­ne Refe­ren­tin hat­te zuvor ihre Teil­nah­me zurück­ge­zo­gen, sodass ein pas­sen­der Ersatz not­wen­dig wurde. 

Jetzt könn­te natür­lich die Fra­ge auf­ge­wor­fen wer­den, war­um denn aus­ge­rech­net zwi­schen der Inkon­ti­nenz und den Stur­zer­eig­nis­sen ein haf­tungs­recht­li­cher Bogen gezo­gen wer­den soll­te. Dazu muss man sich in Erin­ne­rung rufen, dass das The­ma „Sturz“ gera­de in der ers­ten Deka­de des neu­en Mil­le­ni­ums beson­ders brei­ten Raum ein­nahm: Das lag zum einen an der mit viel Reso­nanz behaf­te­ten Ver­öf­fent­li­chung des Exper­ten­stan­dards „Sturz­pro­phy­la­xe in der Pfle­ge“ (2003/2004) und zum ande­ren – ange­strengt vor allem durch die Kran­ken­kas­sen – an einer Viel­zahl dies­be­züg­lich gefal­le­ner Ent­schei­dun­gen der Sozi­al- und Zivilgerichte. 

Marco Di Bella beim Vortrag auf dem Symposium des Pflegerechts.
Voll in Akti­on: Ich bei mei­nem Vor­trag auf dem Sym­po­si­um des Pflegerechts.

Die Ver­bin­dung des The­mas „Sturz“ zum The­ma „Inkon­ti­nenz“ wird spä­tes­tens dann erkenn­bar, wenn man sich besag­te Gerichts­ent­schei­dun­gen ein­mal genau­er ansieht und die­se dahin­ge­hend ana­ly­siert, war­um bezie­hungs­wei­se in wel­chem Kon­text es zu einem Sturz gekom­men ist: So stand in den beklag­ten Ein­rich­tun­gen des Gesund­heit­we­sens das Stur­zer­eig­nis nicht sel­ten im Zusammenhang 

  • mit dem Umset­zen des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen vom/zum Toilettenstuhl, 
  • mit einer unzu­rei­chen­den Auf­sicht in der Toi­let­ten­ka­bi­ne oder
  • mit selbst­be­stimm­ten, unbe­glei­te­ten Toi­let­ten­gän­gen des Pflegebedürftigen. 

Die aus den Gerichts­ent­schei­dun­gen gewon­ne­nen (und im Vor­trag dar­ge­leg­ten) Erkennt­nis­se stüt­zen dabei die im Exper­ten­stan­dard „Sturz­pro­phy­la­xe in der Pfle­ge“ gemach­ten Aus­sa­gen bezüg­lich der Inkon­ti­nenz als Sturz­ri­si­ko­fak­tor. Zugleich unter­strei­chen sie die Wich­tig­keit der pfle­ge­ri­schen Risi­ko­er­fas­sung sowie die der För­de­rung der Kon­ti­nenz – nicht nur um das Wohl­be­fin­den der Betrof­fe­nen zu ver­bes­sern, son­dern auch um (im Sin­ne eines Risi­ko­ma­nage­ments) Stur­zer­eig­nis­se und deren medi­zi­ni­schen, pfle­ge­ri­schen und haf­tungs­recht­li­chen Fol­gen zu vermeiden.